DAS BUCH ZUM COACHING

Hier findest du Auszüge aus dem Buch FREE YOUR VOICE

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Die 5 verschiedenen Gesangsfunktionen

Es gibt fünf verschiedene Funktionen, mit denen man singen kann. Es ist ein großer Vorteil alle fünf zu beherrschen, damit man praktisch alle Stilarten singen kann. Jede Funktion hat einen bestimmten Charakter, so wie spezielle Vorteile, aber auch Einschränkungen. Um Fehler und technische Probleme zu vermeiden, ist es wichtig die Funktionen zu kennen, zu beherrschen, die Vorteile zu nutzen und die Einschränken zu respektieren. Jede Funktion unterscheidet sich von den anderen durch ein unterschiedliches Maß an "Metall" im Klang. Damit ist die Lautstärke gemeint. Je mehr Metall eine Funktion hat, desto lauter ist die Funktion. Du wirst merken, wie viel Spaß es macht, wenn man problemlos zwischen den Funktionen wechseln kann, entweder abrupt oder fließend. Es werden neue Emotionen erzeuget, neue Stilarten können gesungen werden und du entwickelst eine reiche Soundmöglichkeit. Jede der fünf Funktionen sollte man separat üben. 

Hier kannst Du Dir die beiden Funktionen "NEUTRAL MIT HAUCH" und "EDGE" anschauen: 

NEUTRAL MIT HAUCH

neutral mit hauchIst eine "nicht metallische" Funktion. Es gibt kein "Metall" im Klang. Das bedeutet, dass der Charakter weich ist, wie z.B. beim Singen eines Schlafliedes. In der Popmusik wird NEUTRAL MIT HAUCH gerne für leise Passagen verwendet und natürlich, wenn Hauch auf der Stimme gewünscht ist Im NEUTRAL MIT HAUCH ist die Lautstärke begrenzt. Im Allgemeinen ist es eine leise Funktion und man darf nie probieren kräftig zu singen (generell darf man NIE kräftige Töne singen mit Luft auf der Stimme). Die Stimme wird dadurch müde und man erzeugt Verspannungen, die mit der Zeit zum Stimmknoten führen kann. Mittelleise (mp: mezzopiano) ist die höchste Lautstärke, die man im NEUTRAL MIT HAUCH erzielen kann. 

Berühmte Sängerinnen/Sänger, die häufig NEUTRAL MIT HAUCH verwenden: 

Marilyn Monroe, Dido, Yvonne Catterfeld, Astrid Gilberto("the girl from Ipanema") Sade, Cassandra Steen, Brandy, Mariah Carey, Brian Ferry, Maxwell, Art Garfunkel, D‘Angelo 

NEUTRAL MIT HAUCH FINDEN 

Zunächst ist es sehr wichtig, dass jede Form von "Metall" nicht in der Stimme zu hören ist. Vergiss nicht, dass du in dieser Funktion nicht mit lauter Stimme singen darfst. Der Unterkiefer bleibt ganz locker. Der Unterkiefer sollte im Verhältnis zum Oberkiefer immer nach hinten versetzt sein, sodass zwischen Ober- und Unterkiefer genug Platz für einen Finger ist. 
Bei einem behauchten Ansatz wird vor dem eigentlichen Ton die Luft deutlich als "H" hörbar gemacht. Im hochdeutschen benutzt man diesen Ansatz bei Wörtern wie z.B. Hahn, Haus oder Huhn. Der behauchte Ansatz eignet sich gut, um etwas Hauch auf die Stimme zu bekommen. Achte darauf, die Grundprinzipien einzuhalten.  Wenn man in NEUTRAL MIT HAUCH mehr Twang gibt, dann wird der Hauch oft deutlicher hörbar, da Twang die hohen Frequenzen verstärkt. 

EDGE

edgeDer Begriff EDGE wird ausschließlich für den kraftvollen und voll-metallischen Klang benutzt. EDGE ist wie OVERDRIVE eine voll-metallische Funktion. Der Charakter ist heller, schärfer und kreischender als in OVERDRIVE. In EDGE ist es nicht möglich mit Hauch zu singen. 
EDGE findest du, indem du das Twang des Kehlkopftrichters stark benutzt (wie beim Schnattern einer Ente). EDGE kann in allen Stimmlagen sowohl von Männern als auch von Frauen eingesetzt werden. 

In EDGE können nur getwangte vokale verwendet werden, da ein ausgeprägter Twang Voraussetzung für die Funktion ist. Dementsprechend kann man - vor allem in hoher Stimmlage - nur die Vokale EE, AE, Ä, und Ö benutzen. 
  
Wegen des ausgeprägten Twang, kann die Klangfarbe weniger geändert werden als bei den anderen Funktionen. 
  
Die Funktion ist tendenziell laut, in tiefer Stimmlage sind jedoch auch mittlere Lautstärken möglich. Je höher man in EDGE singt, desto höher wird die Lautstärke und desto markanter tritt der kreischende Charakter hervor. Dadurch wird der Unterschied zwischen EDGE und den anderen Funktionen zunehmend deutlicher. Die Lautstärke zu NEUTRAL und CURBING ebenso wie der Unterschied in der Klangfarbe zu OVERDRIVE. 

EDGE wird in vielen Stilen eingesetzt, hauptsächlich in hoher Stimmlage und wenn hohe Lautstärken und viel Metall im Klang gefragt sind, z.B. im Rock, Heavy Metal, Gospel oder kraftvoller Soulmusik. Im Klassischen Gesang wird EDGE benutzt, wenn Männer sehr laut (ff: fortissimo), in hoher Stimmlage singen, wie z.B. beim hohen C der Tenöre. Frauen singen in der klassischen Musik nicht im EDGE. 

Im Alltag hört man Edge beim Kreischen 
  
Bekannte Sänger/innen, die häufig EDGE benutzen 
Anastacia, Chaka Khan, Celine Dion, Cindy Lauper, Tina Turner, Christina Aguilera 
Steven Tyler (Aerosmith)Chris Cornell (soundgarten) Mick Jagger, James Brown 

EDGE FINDEN 
Den ausgeprägten Twang Finden. 
Die Voraussetzung um das EDGE zu finden ist ein ausgeprägter Twang auf dem Kehlkopftrichter. Wenn die Öffnung des Kehlkopftrichters kleiner gemacht wird, indem der Kehldecke näher an die Stellknorpel gebracht wird, dann bekommt der Klang einen schärferen und durchdrungeneren Charakter, wie das Schnattern einer Ente ;-) Dies wird als ausgeprägter Twang bezeichnet. Je kleiner die Öffnung, desto schärfer der Ton. Mit dem ausgeprägten Twang kann man die Lautstärke um 10 bis 15 Dezibel steigern. 

Am einfachsten findet man den ausgeprägten Twang, indem man diese Geräusche nachahmt 
das Schreien eines Babys 
das Schnattern einer Ente 
das meckernde Lachen einer Hexe 
wie jemanden spricht, der ein listigen bösen Plan hat 
das russische Wort "njet" sagt 
das Geräusch eines Flugzeugs im Sturzflug 

Hast du den ausgeprägten Twang gefunden, dann mache den Klang zusätzlich voll-metallisch, indem du Lauter singst. Achte darauf, dass du bei zunehmender Lautstärke nicht den ausgeprägten Twang des Kehlkopftrichters verlierst. Es kann hilfreich sein, die Mundwinkel leicht zusammenpressen(zieh sie einwärts) 
Hebe den Kehlkopf, mache die Zunge breit, setze ein ordentliches Maß an Stützenergie ein und beginne mit einem voll-metallischen Ansatz (Anfang eines Tons in OVERDRIVE und EDGE). Behalte nach dem Einsatz den gleichen Klang und die gleiche Intensität bei und sprich/sing ein kraftvolles, helles und scharfes AE (wie bei Fell). Der Klang sollte scharf und durchdringend sein, so wie das Schnattern einer Ente. Es darf sich gern nasal anhören. Wichtig ist, dass man den ausgeprägten Twang nicht verliert. Wenn dies beim Singen geschieht, dann verliert der klang seine Schärfe und man ist nicht mehr im EDGE. Es kann auch unangenehm sein oder wehtun. 

Wenn man EDGE erst einmal beherrscht, dann braucht man die Hilfe der Einstellungen des Ansatzrohrs nicht mehr. 
  
In EDGE muss man am Anfang aufpassen, dass man nicht den Kehlkopf senkt (z.B. wenn man den Gaumen anhebt). Falls der Kehlkopf während des Singens in EDGE gesenkt wird, verliert man den ausgeprägten Twang und dadurch auch EDGE. Dies kann unangenehm sein oder wehtun.